Geschichte

Geschichte der Diakonie im Kirchenkreis Halle - Von den Anfängen bis zur Gegenwart

(1.) DIE ANFÄNGE IM NACHKRIEGSDEUTSCHLAND

Unter dem Eindruck des Kriegsendes und seiner Folgen wurde im August 1945 das „Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“ von der „Konferenz Evangelischer Kirchenführer“ ins Leben gerufen.

Leiter des „Evangelischen Hilfswerkes in Deutschland“ war von 1945 - 1951 Eugen Gerstenmaier, der spätere Bundestagspräsident, der durch sein sozialpolitisches Engagement dazu beigetragen hat, die Not der Nachkriegsjahre zu lindern und das diakonische Profil der Evangelischen Kirche zu prägen.
Durch den Flüchtlingsstrom aus dem Osten war es zu außerordentlichen Notständen im Land gekommen.

Aus dieser Notlage heraus erließ Heinrich Grüber, damaliger Propst an der Berliner Marienkirche, einen SOS-Ruf an die Christen in aller Welt. Dieser Aufruf fand in vielen Ländern ein starkes Echo.
An die Deutschen richtete Heinrich Grüber ebenfalls einen Hilferuf unter der Überschrift „Heimkehrer ohne Hoffnung“.

Diese Hilferufe wurden gehört. Unzählige Lebensmittelpakete, aber auch Kleidungsstücke und Medikamente aus dem Ausland trafen ein und wurden von Mitarbeitern des „Ev. Hilfswerkes“ und der Kirchengemeinden vor Ort an die notleidende Bevölkerung verteilt.
(nach: J. Baumann, Kirchenkreis Halle, S.97)

(2.) DAS „EVANGELISCHE HILFSWERK“ UND SEINE FOLGEORGANISATIONEN IM KIRCHENKREIS HALLE AB 1946

Auch im Kirchenkreis Halle wurde in der Folge des Aufrufes von Propst Grüber im Jahr 1946 ein „Evangelisches Hilfswerk/Innere Mission“ mit Sitz in Werther eingerichtet. Zum ersten Synodalbeauftragten für die diakonische Arbeit im Kirchenkreis wurde Pastor Axel Reiser (Vertriebener aus Breslau) berufen; erster Geschäftsführer wurde sein Bruder, der kaufmännische Angestellte Gerhard Reiser.

Im Jahre 1972 wurde  – wie im ganzen Bereich der Evangelischen Kirche in Westfalen –  auch im Kirchenkreis Halle eine Umbenennung für die diakonischen Dienste vollzogen: aus dem „Evangelischen Hilfswerk/Innere Mission“ wurde das „Diakonische Werk im Kirchenkreis Halle“. Dieses Werk erhielt am 12. Dezember 1998 eine neue Rechtsform und heißt seitdem „Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V.“.

(3.) LISTE DER SYNODALBEAUFTRAGTEN VON 1946 - 2014

Pastor Axel Reiser, Werthervon  1946 - 31.07.1957
Pfarrer Werner Lohmann, Werther 01.08.1957 - 31.12.1969
Pfarrer Martin Engelbrecht, Bockhorst01.01.1970 - 30.06.1992
Pfarrer i.E. Dr. Christof Grote, Werther 01.10.1994 - 31.10.1997
Pfarrer Bernd Langejürgen, Brockhagen01.06.1999 - 31.12.2000
Pfarrer Lothar Becker, Steinhagen01.01.2001 - 30.09.2009
Pfarrerin Beatrix Eulensteinseit dem 01.08.2011

(4.) LISTE DER SYNODALGESCHÄFTSFÜHRER (1946 - 2014)

Gerhard Reiser, Werthervon 1946 - 31.03.1968
Pfarrer Werner Lohmann, Werther   01.04.1968 - 30.09.1968
Thomas Leprich, Gütersloh 01.10.1968 - 31.12.1972
Heinz Kreft, Bockhorst  01.01.1973 - 31.05.1990
Reinhard Koch, Halle 01.06.1990 - 30.06.1992
Helmut Janz, Halle 01.07.1992 - 31.12.1998
Paul-Gerhard Müller, Bielefeld01.01.1999 - 30.06.2000
Ingo Hansen, Versmold seit dem 01.07.2000

(5.) STANDORTE DER SYNODALDIENSTSTELLE (1946 - 2014)

Werther, Grünstraße 221946 - 31.07.1968
Werther, Gemeindeamt1.08.1968 - 31.12.1969
Bockhorst, Nr. 101 a 01.02.1970 - 30.11.1975
Halle, Kreiskirchenamt, Schulstraße01.12.1975 - Frühjahr 1998
Halle, Kreiskirchenamt, Martin-Luther-Straßeab Frühjahr 1998

(6.) INHALTLICHE AKTIVITÄTEN IN DEN „GRÜNDERJAHREN“

In den ersten Nachkriegsjahren beschränkte sich die diakonische Arbeit auf die Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidungsstücken, sowie auf die finanzielle Unterstützung für bedürftige Menschen in den Gemeinden, vor allem für die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen.
Später kam der Paketversand an Menschen in den „Patengemeinden“ in der „Ostzone“/DDR hinzu.
Von Anfang an organisierte das „Evangelische Hilfswerk“ Geld- und Kleidersammlungen für die so genannten „Ostvertriebenen“.

Die Haussammlungen (und später die Sammlungen für „Brot für die Welt“) wurden (und werden auch heute noch als „Haussammlungen für die Diakonie“) von den Bezirksfrauen der „Frauenhilfen“ in den Kirchengemeinden durchgeführt.

An einem Sonntag im September wurde zudem alljährlich in allen Gottesdiensten im Kirchenkreis anlässlich des „Opfertages der Inneren Mission“ beim Altarumgang eine besondere Kollekte für die Arbeit der „Inneren Mission“ gesammelt.

Auch die Organisation für die Teilnahme an den Ev. Kirchentagen in Deutschland und die Planung und Durchführung von „Ferienerholungsmaßnahmen“ für Kinder und Jugendliche lag von Beginn an in den Händen des „Evangelischen Hilfswerkes/Innere Mission“.

(7.) GESCHICHTE DER EINZELNEN ARBEITSBEREICHE UND IHRE EINGLIEDERUNG IN DIE „DIAKONIE IM KIRCHENKREIS HALLE“

Die einzelnen Arbeitsbereiche der Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V. haben sehr unterschiedliche Wurzeln. Gemeinsam ist allen Arbeitsbereichen, dass sie kirchlich-diakonische Antworten auf Notsituationen von Menschen sind.

Organisatorisch gab es bis 1995 die Kirchengemeinden, den Kirchenreis, die Frauenhilfe und das Diakonische Werk als Träger für die diakonischen Dienste.
Am 22. November 1995 fasste die Kreissynode den Beschluss, alle bestehenden diakonischen Arbeitsfelder in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises zusammenzuführen. Hierzu gehörten alle Diakoniestationen, die Familienpflege, die Geschäftsstelle (incl. Jugendhilfeplanung, Alten- und Familienerholung, Ferienhilfswerk, Zivildienstleistende), die Beratungsdienste (Familien-, Erziehungs-, Schwangerschaftskonflikt-, Schuldner- und Kindergartenfachberatung (bis 1998), sowie sozialpädagogische Familienhilfe).

(7.1.)  DIE FREIZEITMASSNAHMEN

Erholungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche wurden schon in den 50er Jahren von der Inneren Mission organisiert. In den 60er Jahren kamen die Angebote Mütter- und Altenerholung, in den 70er Jahren der Familienfreizeiten hinzu. Zahllose Gemeindegruppen verbrachten Freizeiten in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Insbesondere aber war und ist die Nordseeinsel Baltrum Ziel für Erholungsmaßnahmen, wo seit 1978 das Haus Sonnenwinkel von der Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V. belegt wird.

(7.2.)  DIE EVANGELISCHE FAMILIENPFLEGE

Die Evangelische Familienpflege hat ihre Ursprünge in Versmold-Bockhorst. Dort wurde sie von der Frauenhilfe gegründet mit der Aufgabe, Familien zu unterstützen in denen die Mutter aufgrund von Krankheit oder Kurmaßnahmen ausfiel. 1971 wurde die damalige Haus- und Familienpflege von der Synodaldienststelle der Inneren Mission übernommen und verlegt ihren Sitz nach Halle.
1972 wurde die Pastorin Renate Schmäling mit der Leitung und Koordination des Dienstes betraut. Der Dienst umfasste durchschnittlich sechs ausgebildete MitarbeiterInnen. Nach der Pensionierung von Pastorin Schmäling 1994 übernahm Frau Dagmar Ghaffari die Leitung. Frau Ghaffari verließ 1999 die Diakonie Halle. Anschließend wurde Frau Dagmar Müller mit der Einsatzleitung der Familienpflege betraut.
Seit 2005 wurde die "klassische" Familienpflege aufgrund der immer schlechter werdenden Finanzierungs- und Genehmigungspraxis der Krankenkassen eingestellt. Seitdem wird die Familienpflege im Rahmen der Jugendhilfe, in Kooperation mit den Ambulanten Erziehungshilfen, eingesetzt. Neben Unterstützung im Haushalt ist die Begleitung von Eltern mit Baby und Kleinkindern, insbesondere auch zur Sicherstellung des Kindeswohls Schwerpunkt der Familienpflege geworden.

(7.3.)  DIE DIAKONIESTATIONEN (ambulante Alten- und Krankenpflege)

In den Kirchengemeinden des Kirchenkreises Halle gab es seit 1914 Diakonissen als Gemeindeschwestern, die unter anderem auch in der Alten- und Krankenpflege tätig waren. 1976 wurde von der Kreissynode beschlossen, die Gemeindepflegestationen zu Diakoniestationen umzubauen. Dieser Beschluss wurde 1977 umgesetzt. In den Diakoniestationen wurden neben den Diakonissen verstärkt Krankenschwestern eingesetzt. Der Altkreis Halle hatte nur zwei Diakoniestationen: Die Diakoniestation Halle versorgte die Gemeinden Halle, Steinhagen und Brockhagen unter der Leitung von Schwester Rosa Schwarze und die Diakoniestation Versmold versorgte die Gemeinden Versmold, Bockhorst und Borgholzhausen. Hier übernahm die Leitung Schwester Wilma Zieting. Das Diakonische Werk unterstützte die Kirchengemeinden als Träger der Diakoniestationen bei der Umorganisation der Gemeindepflege. Nach der Integration der Pflegedienste in das Diakonische Werk entwickelten sich im Jahre 1999 fünf unabhängige Diakoniestationen mit eigenständigen Pflegedienstleitungen in den Gemeinden Borgholzhausen (Leitung Frau Annette Hoppe), Halle (Leitung Frau Margrit Hanke), Steinhagen (Leitung Frau Linnert), Versmold (Leitung Frau Gabriele Weber) und Werther (Leitung Frau Sigrid Ellerbrake).

Im Verlaufe der Jahre ergaben sich folgende Veränderungen: Frau Martina Brune übernahm im Jahre 2002 die Leitung der Diakoniestation Steinhagen und schied im Jahre 2015 aus. Vorübergehend übernahm Herr Olaf Lingnau die Leitung und gab diese im Oktober 2015 in die Hände von Frau Cornelia Woge. Die Diakoniestation Werther wurde von 2006 bis 2011 von Herrn Olaf Lingnau geführt, im Jahr 2013 bis 2015 leitete Frau Cornelia Woge die Station Werther bevor sie nach Steinhagen wechselte. Im Oktober 2015 übernahm die Leitung der Diakoniestation Werther Frau Janine Aurich. Auch in der Diakoniestation Halle gab es einen Wechsel in der Stationsleitung, seit 2013 führt Frau Susanne Claes diese Tätigkeit aus.

Neben den Aufgaben der ambulanten Pflege entwickelten sich in den Diakoniestationen auch Angebote des betreuten Wohnens für Senioren, Kurse für pflegende Angehörige, Freizeitangebote für Pflegebedürftige, etc. Im Jahre 2011 wurde aufgrund des starken Wachstums der Diakoniestationen eine übergeordnete "Bereichsleitung Pflege" eingerichtet, die von Herrn Olaf Lingnau wahrgenommen wird.

(7.4.)  DIE FAMILIEN- UND ERZIEHUNGSBERATUNG

Aufgrund eines Beschlusses der Kreissynode vom 25.04.1977 wurde zum 01.07.1978 die Familien- und Erziehungsberatungsstelle (FEB) des Kirchenkreises Halle eingerichtet. Erste Leiterin war die Dipl. Psychologin Helga Koch. Das Team der FEB bestand Anfangs aus 4 MitarbeiterInnen. Aufgrund der Nachfrage musste es schon nach 1 Jahr durch die Einstellung von Honorarkräften und befristeten Anstellungen erweitert werden. 1982 beendete Frau Koch ihre Leitungstätigkeit aufgrund ihrer Mutterschaft. Nach einjähriger kommissarischer Leitung durch den Dipl. Psychologen Martin Krause übernahm der Dipl. Psychologe Paul-Gerhard Müller 1983 die Leitung der FEB.
1986 erweiterte sich das Aufgabengebiet der FEB um den Arbeitsbereich der Ehe- und Lebensberatung. Hierzu wurde eine Fachkraftstelle dauerhaft eingerichtet.
1993 wurde der Aufgabenbereich der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung in der FEB mit dem Umfang einer ½ Fachkraftstelle neu eingerichtet.
1995 wechselte die Trägerschaft vom Kirchenkreis Halle zum Diakonischen Werk und 1998 zur Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V. Im Oktober 2013 übergab Herr Paul-Gerhard Müller bei Eintritt in den Ruhestand die Leitung an die Diplom Pädagogin Frau Jessica Trylus.

(7.5.)  DER DIAKONIEAUSSCHUSS

Auf Beschluss der Kreissynode wurde 1982 der Diakonieausschuss im Diakonischen Werk Halle gegründet. Zum Diakonieausschuss gehören Vertreter der acht Kirchengemeinden und Vertreter der diakonischen Dienste. Wesentliche Aufgabe des Diakonieausschusses ist es, für eine Transparenz der Entscheidungen und Tätigkeiten der institutionellen Diakonie zu sorgen und diese der Basis (Kirchengemeinden) zu vermitteln. Der Diakonieausschuss unterstützt die institutionelle Diakonie in dem Ziel, sie in den sie tragenden Kirchengemeinden zu verankern. Er arbeitet an der Vernetzung von institutioneller und gemeindlicher Dienste. Vorsitzende des Diakonieausschusses ist seit dem 01.08.2011 Frau Pfarrerin Beatrix Eulenstein (Pfarrerin für sozial-diakonische Aufgaben)

(7.6.)  DIE AUS- UND ÜBERSIEDLERBERATUNG

1989 wurde der Arbeitsbereich Unterstützung von Aus- und Übersiedlern eingerichtet. Er bestand aus der Beratungsstelle mit zwei MitarbeiterInnen, 5 Spielstuben in den Gemeinden und zwei Tagesinternaten an Schulen in Harsewinkel und Steinhagen. Die Spielstuben und Tagesinternate unterstützten die Kinder aus Aus- und Übersiedlerfamilien bei der Integration in Schule etc. und waren notwendig um die beengte Situation in den Notunterkünften abzumildern. Die Beratungsstelle hatte insbesondere die Aufgabe die Familien bei der Integration vor Ort zu unterstützen. 1994 wurde die Arbeit der Beratungsstelle und der mit ihr verbundenen Stellen beendet, da sich zum einen der Zuzug von Aus- und Übersiedlern verringert hatte und zum anderen die Förderung durch den Bund eingestellt wurde.

(7.7.)  DIE AMBULANTEN ERZIEHUNGSHILFEN

1989 wurde die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) der Diakonie Halle eingerichtet, die Familien mit Erziehungsproblemen unterstützt. Erster Leiter der SPFH war ab 1991der Sozialarbeiter Ulrich Gottwald. Das Team umfasste 3 Fachkräfte. Nach Erweiterungen des Arbeitsbereiches durch die Übernahme von  Erziehungsbeistandschaften (1997) und einer Tagesgruppe in Kooperation mit dem CJD Versmold (1998) wurde der Fachdienst in Ambulante Erziehungshilfen umbenannt. 2002 verließ Herr Gottwald das Diakonische Werk und die Leitung der Ambulanten Erziehungshilfen wurde von dem Sozialarbeiter Rainer Hartwig-Clasmeier übernommen.

(7.8.)  DIE SCHULDNER- UND INSOLVENZBERATUNG

1994 nahm die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes ihre Arbeit auf. Sie bietet Menschen, die überschuldet sind, Beratung und Unterstützung. Erster Mitarbeiter und Leiter der Einrichtung ist der Betriebswirt und Dipl. Pädagoge Artur Gerber. 1999 erweiterte die Schuldnerberatung ihren Aufgabenbereich um die Insolvenzberatung.

(7.9.)  DIE FLÜCHTLINGSBERATUNG

1998 übernahm die Diakonie in Kooperation mit der Stadt Halle die Beratung von Flüchtlingen in den Wohnheimen der Stadt. Die Koordinationsstelle wurde mit der Beraterin Karin Elsing besetzt und vom Umfang her jeweils der Anzahl der in Halle lebenden Flüchtlinge angepasst. Aufgabe des Dienstes ist die umfassende Beratung und Betreuung von Flüchtlingen in allen Lebensbereichen. Im Zuge der durch den Flüchtlingszustrom bedingten Neuorganisation hat die Stadt Halle die Flüchtlingsberatung von Januar 2017 an in eigene Hände genommen.

(7.10.)  DIE TAGESGRUPPE

Die 1998 im Rahmen der Trägerkooperation gegründete Tagesgruppe wurde mit der Einstellung des Dipl. Sozialarbeiters und Diakons Joachim Hood als Teamleiter ab 1999 eine eigenständige Einrichtung. In der Tagesgruppe werden Kinder montags bis freitags am Nachmittag betreut. Neben der intensiven Unterstützung und Förderung der Kinder werden auch die Familien beraten. Seit 01.03.2008 wird die Tagesgruppe vom CJD Versmold geführt.

(7.11.)  DIE ARBEITSQUALIFIZIERUNG FÜR JUGENDLICHE (AQJ)

1999 wurde, in Kooperation mit dem Berufskolleg Halle der Arbeitsbereich Ausbildungsqualifizierung für Jugendliche (AQJ) entwickelt. Jugendliche, die wenig Chancen hatten einen Ausbildungsplatz zu finden, konnten in der Kombination von Praxis in Praktikumstellen und schulischer Bildung im Berufskolleg ihre Fähigkeiten erproben und ihre Chancen auf eine Berufsausbildung verbessern. Aufgrund von gesetzlichen Veränderungen musste dieses Tätigkeitsfeld 2005 leider abgegeben werden.

(7.12.) BETREUTES WOHNEN UND AMBULANT BETREUTE WOHNGRUPPEN FÜR SENIOREN

Aus den Erfahrungen in der ambulanten Altenpflege, dass sich viele Senioren in den eigenen vier Wänden mehr Sicherheit und Kontakt zu anderen Menschen wünschen, entwickelten die Diakoniestationen ab 2001 das Konzept des Betreuten Wohnens in Wohnanlagen und der Betreuung in Wohngruppen. Mit der Umsetzung wurde erstmalig im „Wohnpark am Ueckenbrink“ in Borgholzhausen begonnen (2002). Im Jahre 2003 folgte die erste Einrichtung einer Wohngruppe auf dem Caldenhof in Versmold und gleichzeitig wurde das Betreute Wohnen in der Wiesenstraße in Versmold errichtet. Die Betreuten Wohnanlagen „Unteres Feld“ in Steinhagen und „Mühlenstraße“ in Werther folgten im Jahre 2005. In Versmold wurden zwei weitere Wohngemeinschaften eingerichtet: 2007 die WG "Wissmanns Hof" und die WG "Ravensberger Straße" in 2009. In Steinhagen folgte die Einrichtung Wohngemeinschaft "Oberes Feld" im Jahre 2012.

(7.13.)  DIE FAMILIENZENTREN - MEHRGENERATIONENHAUS

2005 eröffnete in Steinhagen das erste Kreisfamilienzentrum im Kreis Gütersloh in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Halle. In Familienzentren werden Betreuungs- und Beratungsangebote gebündelt, sie wirken als Treffpunkt und Kontaktbörse und bieten Raum für Dienstleistungen und Selbsthilfeinitiativen. Im Familienzentrum Steinhagen in der Aufbauphase ab 2005 die Sozialpädagogin Angelika Fritsch-Tumbusch beschäftigt, ab 2009 übernahm Elisabeth Zsiska die Leitung des Kreisfamilienzentrums Steinhagen.

Seit September 2006 gibt es das MehrGenerationenHaus/Familienzentrum in Halle mit Frau Karin Elsing als Koordinatorin an dem Standort Kiskerstraße 2 (Bürgerzentrum Halle). Durch das Bundesmodellprojekt MehrGenerationHaus können in Halle die typischen Familienzentrumsangebote um Angebote für Menschen aller Altersgruppen, insbesondere auch Senioren, erweitert werden. Beide Zentren werden von Herrn Rainer Hartwig-Clasmeier als Projektleiter begleitet.

(7.14.)  PALLIATIVPFLEGEDIENST

Im Oktober 2012 hat die Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V. für seinen neu gegründeten Palliativpflegedienst mit den Krankenkassen einen gesonderten Vertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag ermöglicht für einen ganz besonderen Bereich, nämlich die palliative Pflege am Lebensende, eine gesonderte Finanzierung durch die Krankenkassen.

Palliativpflege bedeutet: Da es auf Grund einer sehr schweren Erkrankung keine Aussicht auf Heilung gibt, sollen die Leiden dieser Erkrankung gelindert werden. Eine optimale Schmerztherapie durch ein hochprofessionelles Team von Palliativmedizinern und Palliativpflegerinnen steht meist im Vordergrund der Behandlung.

Seit Oktober 2012 engagieren sich 9 speziell weitergebildete Fachkrankenschwestern im Bereich der Palliativpflege zum Wohle Sterbender. Sie ermöglichen Patienten, eine letzte Lebensphase in Würde und möglichst ohne Schmerzen zu erleben.

Wir haben uns in diesem Palliativpflegedienst für eine besondere Struktur entschieden: die speziell für diese Tätigkeit ausgebildeten Palliativpflegerinnen kommen abwechselnd aus unseren 5 Diakoniestationen Borgholzhausen, Halle, Steinhagen, Versmold und Werther für eine komplette Woche im Monat in den Palliativpflegedienst. Während dieser Woche versorgen die Krankenschwestern in dem überregionalen Team den gesamten Altkreis Halle, also die Gemeinden Borgholzhausen, Halle, Steinhagen, Versmold und Werther. Nach dieser Woche kehren die Palliativpflegerinnen wieder zurück in ihre „Heimat-Diakoniestation“. Da der Bedarf an Versorgung und Betreuung durch diesen Palliativpflegedienst in den nächsten Jahren steigen wird, hoffen wir sehr, noch neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für diese wichtige und unerlässliche Aufgabe finden zu können.

(7.15.)  TAGESPFLEGE

Seit fast genau einem Jahr gibt es in der Diakonie im Kirchenkreis Halle e. V. eine weitere neue Einrichtung: die Tagespflege „Haus Dieckmann“ in der Diakoniestation Versmold.

Das Versorgungsmodell „Tagespflege“ bildet seit einigen Jahren eine Art Bindeglied zwischen der reinen ambulanten Versorgung in den eigenen vier Wänden der Patienten und der Versorgung in einer Wohngruppe oder der stationären Versorgung in einem Altenheim.

In der Tagespflege sind die Gäste nur tagsüber. Sie werden morgens von zuhause abgeholt und am Nachmittag oder frühen Abend wieder nach Hause gebracht. Dabei entscheiden die Patienten selbst, ob sie nur einmal in der Woche in die Tagespflege kommen oder mehrere Tage in der Woche oder vielleicht sogar jeden Tag, also die komplette Woche.

In der Tagespflege im Haus Dieckmann gibt es zurzeit 15 Tagesplätze. Die Betreuungsangebote in der Tagespflege sind vielfältig und richten sich stets nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gäste der Tagespflege. Körper und Geist werden durch die zahlreichen Beschäftigungsangebote gleichermaßen angesprochen und gefördert.

Selbstverständlich wird in der Tagespflege auch für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt.

Wir sind überzeugt, dass der Bedarf an diesem Angebot in Zeiten sich verändernder Familienstrukturen zukünftig noch deutlich steigen wird. Neben den sinnvollen Beschäftigungs- und Förderangeboten für die Gäste der Tagespflege, ist auch der wichtige Aspekt der Entlastung der pflegenden Angehörigen zu nennen.